Umweltschutz vor Ort

Bekämpfung von Umweltschäden bei Gefahrgutunfällen
am Beispiel eines LKW-Unfalls auf der
BAB A1 am 7.7.00

Das Verkehrsaufkommen in der Bundesrepublik ist in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches angestiegen. Ein Großteil wird durch den Güterverkehr auf der Straße hervorgerufen. Als Gründe für den Anstieg sind vor allem die boomende Marktwirtschaft, der Wegfall der Grenzen innerhalb der EU, aber auch die Öffnung Europas nach Osten zu nennen. Durch den beständigen Preiskampf werden die Kosten für Lagerhaltung gesenkt und die Ware wird „just in time“ zum Verarbeitungs- tag, oft bis weit in die Nacht hinein angeliefert.

Doch der Güterverkehr besteht nicht nur aus Lebensmitteln oder Dingen des täglichen Gebrauchs, auch Gefahrgut wird in großen Mengen auf der Straße transportiert.

Obwohl der Sicherheitsstandard in Deutschland sehr hoch ist und die Fahrer dieser LKW´s eine besondere Ausbildung erhalten, bleibt trotzdem ein Restrisiko.

Zur Minderung dieses Restrisikos und zur Abwehr einer akuten Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt im Falle eines Gefahrgutunfalls ist die Feuerwehr zur Stelle.

Neben der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung nimmt der Umwelt- schutz einen großen Aufgabenbereich der Feuerwehr ein.

Die Berufsfeuerwehr Leverkusen verfügt über spezielle Fahrzeuge, Arbeitsgeräte und Schutzkleidung für den „Chemieunfall“. Die Mitarbeiter erhalten neben einer umfassenden Grundausbildung im Themenbereich „Gefährliche Stoffe und Güter“ eine permanente Fortbildung und Übung.

Neben der Berufsfeuerwehr haben sich vor einigen Jahren 20 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zu einem speziellen Löschzug „GSG“ zusammengeschlossen. Sie verfügen zum großen Teil bereits beruflich bedingt über Fachwissen und trainieren nur für Chemie- oder Strahlenschutzeinsätze.

Ein Beispiel für Umweltschutz durch Abwehr einer akuten Gefahr war der Gefahrgut- unfall, der sich am 07.07.00 auf der BAB A1 in Richtung Burscheid ereignete.

Gegen drei Uhr morgens verunfallt auf der A 1 in Höhe der Kötterstalbrücke ein Gefahrstofftransporter, der Dibutylamin, einen brennbaren und ätzenden Stoff, trans- portiert. Bei diesem Unfall verliert das Fahrzeug rund 60 Fässer der Chemikalie.

Zum Glück bleiben die meisten der verformten und zum Teil aufgerissenen Fässer auf der Autobahn liegen. Nur drei fallen von der Brücke in das Kötterstal, von denen zwei auslaufen und das Dritte leckschlägt. 400 Liter Dibuty- lamin laufen ins Erdreich.

Aus den aufgerissenen Fässern auf der Autobahn laufen ca. 800 Liter des Gefahrstoffs über die Regenwasserentsorgung in ein Fallrohr. Auf diesem Weg gelangt ebenfalls Dibutylamin ins Erdreich. Da es allerdings zu dieser Zeit nicht regnete, ist zu vermuten, daß das Produkt zwar durch das Fallrohr ins Erdreich lief, aber nicht weiter in den Köttersbach gespült wurde.


Als Erstmaßnahme muß die Feuerwehr mit Vollschutz- anzügen geschützt vorgehen und das ausgelaufene Dibuty- lamin mit Bindemittel auf- nehmen. Das kontaminierte Bindemittel und alle Fässer werden in insgesamt 60 Spezialfässern sicher ver- packt.



Ein besonderes Problem stellt das kontaminierte Erdreich im Kötterstal dar. Zum einen läßt sich nicht genau klären, ob der Köttersbach in diesem Bereich schon in den Zuständigkeitsbereich des Umweltamtes Bergisch Gladbach fällt, oder noch zum Leverkusener Stadtgebiet gehört. Zum anderen ist das Gelände sehr unwegsam.

Zum Auskoffern des Erdreichs wird ein Kettenbagger benötigt. Die Container mit dem kontaminierten Erdreich müssen mit einem Kran auf die Autobahn gehoben werden, da die unbefestigten Wege im Kötterstal nicht befahrbar sind.

Hinzu kommt einsetzender Regen, der Chemikalienreste von der Autobahn spült. Der Köttersbach droht kontaminiert zu werden. Die Freiwillige Feuerwehr Leverkusen rückt mit Spaten an und baut einen Damm, um das Regenwasser zurückzuhalten. Das von der Autobahn ablaufende kontaminierte Regenwasser wird in kleinen Fässern aufgefangen, die ebenfalls mit dem Kran auf die Autobahn gehoben werden müssen. Durch den Regen wird die Autobahn soweit gespült, daß im aufgefangenen Regenwasser nur noch unbedenkliche Chemikalienreste nachgewiesen werden können.

Insgesamt dauerte der Einsatz ca. 20 Stunden. Die Autobahn war den größten Teil dieser Zeit voll gesperrt.

Besonders hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen: des Umweltamtes der Stadt Leverkusen, des Umweltamtes des Rheinisch-Bergischen Kreises, der Werkfeuerwehr der BASF, der Freiwilligen Feuerwehr Leverkusen, des Löschzuges GSG der Freiwilligen Feuerwehr Leverkusen und der Berufsfeuerwehr Leverkusen.

Viele Kollegen sind aus der Freizeit zur Einsatzstelle gekommen und haben über Stunden alle Kraft daran gesetzt, den Schaden für die Umwelt möglichst gering zu halten.
 

Text & Fotos: BF Leverkusen, Hermann Greven, Abteillungsleiter Einsatz